Der Rabe

Der Rabe

Mitten in der Einsamkeit des Grand Canyons, wo kaum Vegetation oder andere Lebenszeichen zu finden sind, sitzt ganz oben auf einem Felsen ein Rabe. Wahrscheinlich ein Kolkrabe aus der Familie der Raben- und Krähenvögel. Auf eine Rache am Menschen, aufgrund dessen Ausbeutung der Natur, wie Hitchcock sie ersann, scheint er nicht aus zu sein – schon gar nicht ganz allein. Zum Glück, denn ausgewachsen kann der Korkrabe eine Flügelspannweite von 1,20 Meter erlangen. Kein Vogel ist so eng mit der Vorstellung vom Tod verbunden wie der Rabe. Vielleicht führte unter anderem dies zu seiner Beliebtheit in der Kunst. Ist er von Dickens gesandt? Das weiß „nobody“. Mit Poe „sprach der Rabe: Nimmermehr“. Vielleicht kommt er aber auch von Mulisch und kündigt den schönen Morgen an, „cras“. Fragend sehe ich den Raben an. Ohne eine Antwort schwingt er sich auf und fliegt schweigend über das Flusstal davon.

Rabe im Flug

Eine Begegnung, die mich mal wieder zu der Kultur- und Naturgeschichte der Krähen führt, geschrieben von Cord Riechelmann, erschienen in der Reiher „Naturkunden“, die von Judith Schalansky beim Verlag Matthes & Seitz herausgegeben wird. Neben den persönlichen Erlebnissen sowie den biologischen und kulturellen Einordnungen verzaubert der Band durch seine außerordentlich liebevolle Gestaltung, die sich besonders in dem naturbelassenen Papier, den farbigen Zeichnungen, der schwarzen Schnittverzierung und dem geprägten Einband zeigt.

Als kleiner Vor-Halloween-Gruß hier noch eine Videoempfehlung: Tim Burtons Vincent (1982). Ein mit Stop-Motion-Technik gedrehter animierter Kurzfilm, der von einem kleinen Jungen erzählt, der lieber allein zu Hause Bücher wie Edgar Allen Poes The Raven liest, als mit den anderen Kindern draußen zu spielen.  

Advertisements

Den Eintritt ins Wunderland verpasst

Noch halb verschlafen komme ich aus dem Haus und da sitzt es. Ganz ruhig. Sofort schreit es in mir: Folge dem weißen Kaninchen, immer rein ins Abenteuer, ich bin bereit!IMG_2824

Doch was, wenn das Kaninchen einen nur eines kurzen, agegklärten Blickes würdigt und dann weiter gemütlich vor sich hin mümmeln möchte?

Stopptanz

Die Musik läuft, alles ist in Bewegung. Um mich herum ist es bunt, heiß, schwitzig und ausgelassen. Mitten in der Drehung Stille. Ich halte an, die Welt vor meinen Augen dreht sich weiter. Ich versuche, die Dinge scharf zu stellen und fixiere einen Punkt, um nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen. Mein großer Zeh schlägt heimlich noch immer im Takt, meine Beine pulsieren, doch niemand scheint es zu merken. Langsam bekommen die Menschen und Gegenstände im Raum wieder Kontur. Zwischen all der Euphorie entsteht Platz für neue Gedanken. Die Zeit scheint eine Pause zu machen – und diese möchten wir nutzen, um uns über Dinge auszutauschen, die sonst zu kurz kommen, die uns beschäftigen, die uns belustigen, die wir teilen möchten. Für alle Multi-Interessierten und Gesprächshedonisten und diejenigen, die es werden wollen!